Der Notfall-Knopf 2

Diese kurze Geschichte erzählt, warum mein Enkel besonders gerne Telefonanrufe seiner Uroma entgegen nimmt und warum ich nun ständig einsatzbereit bin: 

Der abbestellte Festnetzapparat liegt mit dem Kabel aufgerollt im Vorzimmer, abholbereit. Das graue Kästchen des Notfallknopfes samt Armband ebenfalls.

Nun ist das Neue der beiden gleichen Handymodelle aktiviert.

Die kleine schwarze Taste mit dem Herz darauf( Wozu ein Herz? Ist ja kein Defibrillator) auf der Rückseite des Telefons sollte nun funktionieren.

Zwei Nummern werden auf Knopfdruck gewählt: Meine Telefonnummer und wenn ich nicht erreichbar bin wird automatisch mein Bruder angewählt. 

Das müssen wir natürlich sofort ausprobieren. 

Meine Mutter drückt den Notfall Knopf. 

Ein lautes Fiepsen und dann setzt ein schriller Alarm ein, einem Spielzeug Rettungsauto nicht unähnlich: Tatü Tatü Tata …(“Zum Tote aufwecken“ merkt Mutter an, nachdem sie sich vom Schreck erholt hat)

Meine Nummer sollte nun angewählt werden. 

Auf meinem Handy ertönt ein leises „ Pling“; eine Nachricht ist eingegangen. In diesem SMS steht:“ Sie erhalten einen Notruf. Bitte dreimal die  Taste O drücken damit die Verbindung hergestellt ist.“

Ich suche nervös am Display nach der Tastenfunktion. Da kommt auch schon Mutters Probe-Notruf herein. Ich soll nun schnell abheben und dreimal die Taste O drücken.

Zu langsam. Während ich noch die Tasten auf  meinem Handy suche, wird der Anruf an meinen Bruder weitergeleitet, der auch sofort abhebt. Das scheint ja gut zu funktionieren. Er glaubt, es ist ein Notfall und beruhigt sich kaum.

Aber wahrscheinlich beruhigt er sich nur deshalb so langsam, weil ich hysterisch ins Telefon brülle, was das für ein bescheuertes System sei: Mutter, die den Notfall Knopf drückt bekommt einen lauten schrillen Alarm und ich, der den Notfall empfangen sollte, ein leises „pling“. Das kann doch nicht wahr sein.

Ich suche ein einschlägiges Geschäft auf, erkläre das Problem und stoße auf Unverständnis. Der Alarm sei ja laut und deutlich…

Ja eh – aber auf dem Telefon wo der Alarm gedrückt wird. Diese Person weiß ja sowieso dass sie Alarm geschlagen hat, da braucht’s kein Tatü Tata. Ich würde das benötigen, damit ich den Anruf von all den anderen Telefonanrufen unterscheiden könne und überhaupt, in der Nacht, wie soll ich da jemals schnell reagieren, wenn ich das gar nicht mitbekomme.

„Der Alarm sei deswegen so laut“, erklärt mir der junge Mann,der hoffentlich  noch lange keine Sorge mit seiner Mutter haben wird,  „damit die Person, die ihn gedrückt hat, weiß dass sie ihn gedrückt hat“.

Hä?

„Ja, sie könnte ja in Ohnmacht fallen und kurz vorher hört sie, die Rettung naht.“

Ein fingiertes Rettungsgeräusch zur Beruhigung des in Ohnmacht Fallenden? 

Nur wie soll jemals tatsächlich die Rettung kommen, wenn die mit dem Notfall Knopf Verbundenen gar nicht hören, dass da ein Einsatz erforderlich sei? Weil das Notfalls-SMS und auch der darauf folgende Anruf nicht laut genug sind? 

Ich muss ein eigenes Klingelgeräusch für Mutters Anrufe installieren. Am Besten eines mit einem Rettungs -Geräusch. Leider gibt es keine eigene Ton-Einstellung nur für die Notfallstaste. 

Deshalb ertönt nun,  zur großen Freude meines Enkels, jedesmal ein lautes „Tatü Tata“ wenn seine Uroma anruft. 

Und ich bin nun, gefühlsmäßig, immer und ständig einsatzbereit. 

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.