Der Plan

Meine Töchter haben einen Plan

Ich bin gerührt. 

Ich finde es berührend, dass sich jemand um mich sorgt, dass sich jemand um meine Probleme kümmert, die ja eigentlich gar nicht meine sind sondern erst zu meinen gemacht wurden.

Probleme , die ich erst zu meinen gemacht habe, müsste es richtig heissen.

Meine Töchter haben einen Plan, um mich zu entlasten. Während meiner Abwesenheit haben sie sich verstärkt um ihre Großmutter gekümmert und  sind der Meinung  dass ich mir viel zu viel antu.

Sie strotzen vor Optimismus und sind der festen Überzeugung, dass man nur loslassen müsse, dort wo ich angeblich klammere, dass man die Augen schliessen müsse, während ich mit weit offenen  Pupillen Mutters Ängste in mich aufnehme.

Es sei alles „ ganz easy und gechillt “ gewesen . Sie waren telefonisch immer erreichbar und für Unterhaltung habe eh die betagte Nachbarin gesorgt.

Es ist unglaublich. Ich war eine Zeitlang  weg und die Sonne ist trotzdem jeden Morgen aufgegangen. Ich war nicht da und meine Mutter ist täglich aus dem Bett gestiegen. Sie ist nicht verhungert und nur zweimal gestürzt, aber nicht sehr schlimm…

Bei meinem ersten Besuch fällt sie mir federleicht in die Arme. Sie sei so beschäftigt gewesen mit der Terrassen- Trockenlegung, mit Handwerkern, mit unzähligen Telefonaten und Rechnungen. Ob ich denn nicht stolz auf sie sei, dass sie das alles ohne meine Hilfe geschafft hat.

Ich bin stolz. Ich bin stolz auf sie, während ich die blaugrünlich schillernden Hämatome von ihrem Sturz  eincreme. Ich bin stolz auf sie, während ich zuschaue, wie sie meine mitgebrachten Fleischlaibchen verputzt als ob sie tagelang……

Ja, denke ich mir beim Schreiben der langen Einkaufs und Besorgerliste , ja, sie hat das wirklich gut ohne mich hinbekommen.

Alles hat funktioniert, keine wirklichen dramatischen Ereignisse .Vielleicht haben mein Töchter recht und ich nehme alles zu schwer. Vielleicht fehlt mir die Leichtigkeit.Vielleicht nehme ich die Betreuung meiner Mutter zu ernst. 

Meine Töchter haben einen Plan.

Und während ich auf diesen Plan warte, muss ich eine neue Matratze für das eine, kleinere, Krankenbett besorgen( „ich hab zweimal den Neurologen angerufen, weil diese Matratze, die du gekauft hast, so hart ist dass ich unerträgliche Nackenschmerzen bekommen habe“), habe ich eine lautstarke Auseinandersetzung mit der Leitstelle der Betreuung, („ Du hast diesen Pflegevertrag unterschrieben“ „ Aber Mutter, das ist deine Unterschrift hier“, „ Blödsinn, du hast das ausgemacht und jetzt will ich es anders“) und ich soll alle Gäste, die zum Teil weit anreisen um ihr an ihrem runden Geburtstag zu gratulieren absagen.

Ich spüre, mir fehlt die Leichtigkeit.

Aber meine Töchter haben einen Plan.

6 Kommentare

  1. plan ist sehr gut, aber für eine tochter schwer durchführbar. habe schon auf den Blog gewartet

    • …..und ich warte noch auf den Plan😀…ich weiß ja sie meinen es lieb, die Töchter, aber ja, wie du schreibst schwer durchführbar. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

  2. Mir geht es ähnlich. Nur geht es um die Pflege und Betreuung meiner Tochter (Rollstuhl etc.). Für mich nur mehr schwer leistbar, und die Geschwister haben „vielleicht“ auch einen Plan. Man wird sehen….

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.