Die Königin

Es war einmal eine Prinzessin, die beweisen musste eine richtige Prinzessin zu sein. Und sie bestand den Test: Sie spürte die Erbse unter viele viele Matratzen hindurch und wurde Königin.

Es war einmal – meine Mutter – die  durch viele viele Matratzen hindurch ständig die eine Erbse spürte. Und es war eine Tochter, die den Test nie bestand( und deswegen nie Königin wurde)

Wer jemals für jemanden anderen eine Matratze gekauft hat wird das Problem sofort ahnen. 

Es ist sehr schwer. 

Es ist aber praktisch unmöglich für meine Mutter eine Matratze zu kaufen. 

Die Geschichte hat eigentlich mit dem zweiten Krankenbett begonnen. Das eine, das erste Krankenbett steht im Wohnzimmer und ist eine Spezialanfertigung aus einem Bundesland. Die Matratze hat Sondergrösse. Ist relativ weich und bequem.

Da Mutter in der warmen, hellen Jahreszeit nicht ständig im Wohnzimmer schlafen möchte, haben wir ein zweites Bett mit all der Ausstattung, die für einen Kranken nötig ist, besorgt. Für das kleine gemütliche Schlafzimmer ( das „Wohnzimmerbett“ ist zu gross für „das  Kammerl“, das zweite Bett deswegen ein Einzelbett) 

Natürlich kommt auch eine Matratze dazu.  Die ist mittelweich bis hart ( abhängig, wer von uns darauf Probe liegt) und eingepackt in eine dicke undurchlässige Plastikschicht. Liegen darauf ist  ungefähr so wie man sich ein Wasserbett vorstellt, nur ohne Wasser und nicht so nachgiebig. Bei jeder Umdrehung knirscht und quietscht es als ob man auf tausend Einkaufssackerln liegen würde. 

Das passt gar nicht.

Ich habe den Auftrag, eine weiche, aber nicht zu weiche Matratze zu besorgen. In der Stadt ist das nicht möglich. Diverse Möbelhäuser sind nur mit dem Auto erreichbar. Und Mutter kann nicht mit. Unmöglich.

Und so verbringe ich einen Nachmittag in unzähligen  fremden Betten liegend. Die sechste Matratze aus einem bekannten Möbelhaus nehme ich dann. Fast hätte ich vergessen: Auch die Höhe ist relevant. Dieses Krankenbett lässt sich nicht bodennah senken. Ist die Matratze zu hoch, kommt sie mit den Füssen nicht hinunter und kann nicht aufstehen. Zehn Zentimeter Maximum. Das schränkt die Auswahl erheblich ein. 

Ich schleppe die feste Rolle in ihre Wohnung und breite sie über das Bett. Laut Anleitung braucht es einige Stunden, bis die Rolle entrollt und das Bett benutzbar ist. Dann kommt ein schnelles Urteil: 

„Steinhart“.

Jeder Besucher muss sich von der Eingangstür kommend sofort auf das Bett legen. Und laut Mutter bestätigt jeder, was sie sofort wusste: Steinhart.

Matratzen kann man nicht umtauschen, da es Hygieneartikel sind. Aber man kann eine Auflage dazu kaufen. Und das will sie: Eine weiche Auflage auf die von mir total falsch eingeschätzte weil steinharte Matratze.

Ich schleppe mich wieder durch diverse Möbelhäuser um eine weiche nicht zu hohe Schaumstoffauflage zu erwerben.

Wieder liege ich in unzähligen Betten, wälze mich auf diversen Auflagen und habe bald überhaupt kein Gefühl mehr, was hart oder was weich ist. Und so verlasse ich mich auf eine kompetente Verkäuferin, packe die feste Rolle und schleppe  sie in Mutters Schlafzimmer.

Und wer glaubt da liegt jetzt keine Erbse mehr darunter, die drückt, täuscht sich. Es sind unzählige Erbsen, ja die Auflage samt Matratze dürfte mit harten kleinen Erbsen gefüllt sein. Und meine Mutter, die Königin, spürt jede einzelne, die ganze Nacht hindurch.

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