Die Partnerin

Mutter will gebeten werden.

Ich soll bitten und betteln und ihr alle Vorzüge gleichzeitig aufzählen:

Wie gut es ihr täte, doch in den Park zu gehen, den Besuch zu machen, diese Einladung anzunehmen.

Ich rutsche vor ihr auf den Knien. Und wenn meine Nase bodennah an ihren Hausschuhen klebt, dann endlich winkt sie ab. Die Augen geschlossen, mit einer leichten, kleinen Bewegung aus dem Handgelenk heraus, die Queen Elisabeth vor Neid erblassen lassen würde.

Unmöglich. Das schafft sie nie. Wie ich jemals auf die Idee kommen würde, die Schmerzen sind zu stark, gerade heute fühlt sie sich besonders schlecht, ich wüsste ja gar nicht wie es ihr wirklich geht…

Die Argumente, die Ausreden ließen sich noch endlos fortsetzen.

Ich wende mich ab, resigniert, mit dem Gefühl des Versagens. Ich habe es nicht geschafft. Ich konnte sie nicht genug motivieren. Nun wird sie alleine, einsam und traurig den restlichen Tag verbringen. Und sie wird mir versichern, wie sehr sie es selbst bedauere, wie schwer ihr die Entscheidung gefallen sei, natürlich würde sie wirklich so gerne…. aber leider…

Dann ist meistens der Punkt erreicht, an dem ich sie fast ein bisschen böse verlasse.

Mutter hat gewonnen.

Aber um welchen Preis? Ich fühle mich schlecht und ihr Triumph, wieder ihre Krankheit in den Vordergrund gerückt zu haben, kann doch nicht so groß sein.

Aber ich lerne. Und ich versuche eine andere Taktik. Ich bitte nicht mehr. 

Wenn ein Ereignis ansteht, ein Besuch oder auch nur ein kleiner Spaziergang geplant ist, dann frage ich sie. Ich frage nur ein Mal. „ Kommst du mit?“

Erwartungsgemäß ein forsches „Nein, Unmöglich“. Wenn ich dann einfach die Achsel zucke und bemüht teilnahmslos:„ Gut“ sage, dann zuckt auch sie leicht zusammen. 

„ Meinst du, ich sollte mitkommen, glaubst du, ich schaffe das“ fragt sie dann. Aber so leicht lasse ich sie nicht davonkommen. 

„ Wie du willst, keine Ahnung“ ist nicht die Antwort die sie hören möchte.

Und es ist erstaunlich. Fast jedes Mal geht die Rechnung auf.

Aber ich muß aufpassen. Ich muss mich selbst ein wenig kontrollieren. Ich merke, dass auch ich manipuliere. Habe ich genug Zeit und Nerven mich ihr ganz zu widmen, dann spiele ich die Gleichgültige, um sie zu motivieren. Ist es mir ein wenig mühsam, dann bitte und bettle ich, weil dann kann ich sicher sein, sie schlägt alles aus. 

Hat sie mein Spiel durchschaut? Spielt sie mit? Das wäre mir sehr recht. Denn sie möchte genauso wenig manipuliert werden wie ich. Wir sollten gleichwertige Partnerinnen sein bei diesem Spiel. 


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